Westpommersche Segelroute - page 8

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Die Oder
ist der zweitgrößte Fluss Polens. Sie hat ihre
Quelle in den tschechischen Sudeten und mündet
nach über 850 km in die Roztoka Odrzańska (das Pa-
penwasser), der südlichsten Bucht des Stettiner Haf-
fes. Auf einem kurzen Abschnitt ist die Oder Grenz-
fluss zwischen Polen und Tschechien, durchfließt
dann Polen und wird, ab der Mündung der Lausitzer
Neiße für über 160 Kilometer zur natürlichen Grenze
zwischen Polen und Deutschland.
Vor ihrer Mündung teilt sich der Fluss in zwei
Hauptarme. Der östliche, die Regalica (Reglitz)
durchfließt den Dammschen See, während die Wes-
toder durch das Zentrum der Stadt Szczecin (Stettin)
nach Norden fließt. Zwischen diesen beiden Armen
erstrecken sich zahlreiche Nebenarme und Kanäle.
Die größten von ihnen, die Duńczyca, Parnica und
Święta, sind auch mit Yachten befahrbar. Bemerkens-
wert ist, dass die Oder nördlich der hohen Stettiner
Stadtbrücke (Trasa Zamkowa) bereits als Seeschiff-
fahrtsstrasse gilt. Dank ihres Ausbaus gilt die Oder
heute als die längste Wasserstrasse Polens und ist,
durch den Oder-Havel Kanal mit dem Netz europä-
ischer Binnenschifffahrtstrassen verbunden. In den
zahlreichen Städten und Häfen entlang der Oder ent-
standen in den vergangenen Jahren moderne Sport-
boothäfen. Und nicht zuletzt die alljährliche Flößer-
fahrt entlang der Oder betont die Bedeutung dieses
Flusses auch für Wassersportler.
Ihre Blütezeit erlebte die Oder zur Wende vom 19.
in das 20. Jahrhundert. Ideale Bedingungen für den
Flussausbau und ein verzweigtes Netz von Neben-
armen ließen Breslau, neben Stettin, zum zweiten
Wassersportzentrum am Fluss werden, genutzt vor
allem von Ruderern. Das Leben auf der Oder blüh-
te. Ruderboote, Kajaks, Gondeln und Segelboote
und später sogar Dampfboote zählten zum tägli-
chen Anblick der Flusslandschaft. Mit dem Ende
des zweiten Weltkrieges war auch dieses Leben Ge-
schichte. Umso mehr bemühen sich viele Regionen
entlang des Flusses heute darum, die Oder wieder
zu beleben. Sie investieren nicht nur in den Neubau
der Infrastruktur am Fluss, sondern werben auch
emsig um Wassersportler und sehen in der Oder
heute wieder eine große Chance zur Entwicklung
ihrer Orte und Städte.
Das Untere Odertal bildet eine wunderschöne und
faszinierende Landschaft aus Inseln und Kanälen
gleich südlich der Großstadt Szczecin. Zwischen den
beiden Hauptläufen gelegen, ist dieses Amazonien
Europas nicht nur ein Paradies für die Vogelwelt, son-
dern zugleich auch eine Oase für Paddler und Kanu-
ten. Auf der Oder verkehren nicht nur Binnenschiffe.
Hier entlang führt die kürzeste Strecke von Berlin zur
Ostsee und so gehören hier vor allem deutsche Jach-
ten zum täglichen Bild. Die Ufer der Oder, in Polen
wie in Deutschland, verändern sich. Hier entstehen
Jachthäfen, Anleger und Wasserwanderrastplätze,
wie zum Beispiel in Widuchowa und Gryfino. Der
größte dieser Häfen aber entsteht in Stettin, gleich
gegenüber der Stadtmitte auf der Insel Grodzka.
Im Unteren Odertal lassen sich viele Dinge entde-
cken und die Geschichte dieses Tals könnte unzäh-
lige Bücher füllen. Dazu gehört sicherlich auch das
unweit gelegene deutsche Niederfinow, wo in den
30er Jahren des letzten Jahrhunderts das imposante
Schiffshebewerk in Dienst gestellt wurde, das heute
als immer noch tätiges technisches Denkmal erhal-
ten ist. Oder die Ruinen des Zisterzienserklosters im
deutschen Chorin. Unweit des polnischen Gryfino
findet sich ein„SchieferWald“, dessen Rätsel bis heute
noch nicht gelöst wurde, oder das „Tal der Liebe“ ein
aus dem 19. Jahrhundert stammender Landschafts-
park. Bad Freienwalde hingegen wartet mit über
110 denkmalgeschützten Gebäuden auf Besucher.
Auch zahlreiche historische Ereignisse fanden ihren
Platz an der Unteren Oder. Bei Cedynia schlug einst
das Heer Mieszko I. die Soldaten des Markgrafen Ho-
don und bei Siekierki erzwangen polnische Soldaten
1945 die Oderquerung der Roten Armee.
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