Westpommersche Segelroute - page 18

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Dammsche See
(Jezioro Dąbie) ist der viertgrößte
See Polens und der größte in der Woiwodschaft We-
stpommern. Die über 54 qkm seiner Wasserfläche
zählen in Gänze zum Stadtgebiet von Szczecin. Ganz
natürlich unterteilt er sich in zwei Hälften, den Kle-
inen und den Grossen Dąbie See. In seiner größten
Länge erreicht er 15 km und er besitzt eine maxima-
le Breite von 7 km, bei einer durchschnittlichen Was-
sertiefe von 2,5 m. Der See wird von einigen Flüssen
gespeist, darunter die Regalica, Płonia, Duńczyca,
Chełszcząca und Święta.
Ein Netz aus Kanälen verbindet den See mit dem
Hauptlauf der Oder, während der Ostarm, die Regali-
ca, den See durchfließt und in seinem nördlichen Teil
wieder zurück in den Hauptlauf findet. Das von Nord
nach Süd führende Hauptfahrwasser folgt der Rega-
lica und durchkreuzt den Grossen Dąbie See. Von der
Oder kommend erreicht man über den Przekop Par-
nicki und weiter durch den Kanal Jacka das Haupt-
fahrwasser durch den Kleinen Dąbie See.
Durch die vielen Kanäle entsteht eine Inselwelt
zwischen dem Oderlauf und dem See. Die über 1300
ha Land verteilen sich auf große und kleine Inseln,
darunter die Inseln Dębina, Czarnołęka, Mewia, oder
Ostrów Grabowski.
Der Dammsche See ist ein ideales Wassersportre-
vier. So liegen die meisten Jachtklubs der Stadt an
seinem südlichen Ufer und der Anblick von Segel-
und Motorbooten oder Windsurfern ist alltäglich.
Auch Angler mit ihren Booten fehlen hier nicht. Das
im südlichen Teil nach Osten führende Fahrwasser
führte einst bis zur Mühle im Stadtteil Dąbie. Da die
Mühle seit Jahren still liegt, neigt dieses Fahrwasser
zur Verlandung, weshalb Boote mit größerem Tief-
gang hier auf Schwierigkeiten treffen können.
Die Hauptwindrichtung auf dem See ist Nordwest,
wodurch bei starken Winden auf dem flachen See in
sehr kurzer Zeit eine kurze, aber steile Welle entsteht.
Diese kann Höhen bis zu 1m erreichen, was Wasser-
sportlern durchaus gefährlich werden kann. Wer den
Dammschen See befährt, muss auch ganz besonders
auf die vielen Stellnetze im See achten. Nicht immer
sind die oft engen Durchfahrten zwischen den Netzen
gut ausgezeichnet. Es empfiehlt sich also, entlang des
betonnten Fahrwassers zu fahren.
Der gesamte See zählt zum heute nach europäi-
schem Recht als Vogelschutzgebiet ausgewiesenen
Unteren Odertal. Zahlreiche Wasservogelarten las-
sen sich hier beobachten, aber auch andere Arten,
wie der Seeadler, sind am See zuhause. Auf der Insel
Sadlińskie Łąki lebte bis zum Herbst 1945 der be-
kannte deutsche Ornithologe Paul Robin. Seine Na-
turstation wurde von den sowjetischen Wachmann-
schaften des erbeuteten deutschen Flugzeugträgers
“Graf Zeppelin” geplündert und seine Lebensgefähr-
tin, wie auch Paul Robin wurden von ihnen ermordet.
Auf den erhaltenen Stufen der Robinschen Natursta-
tion erinnert seit 1995 eine Gedenktafel an Paul Ro-
bin und sein Werk.
Nicht nur für Segler und Motorjachten ist der See
ein interessantes Revier. Auch als Paddelrevier hat er
seinen Reiz, wenn man entlang der Inseln und Ufer
bleibt, um demWellengang zu entgehen. Im Norden
des Sees, zwischen der Insel Mewia und dem nördli-
chen Seeufer liegt der Rumpf eines gewaltigen Be-
tonschiffes auf Grund. Die nie fertig gestellte “Ulrich
Finsterwalde” wurde 1945 von Deutschen im Fahr-
wasser als Blockade der Hafenzufahrt versenkt. Nach
dem Kriege wurde sie gehoben, auf den Dammschen
See geschleppt und wieder auf Grund gesetzt.
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